350.000 Euro Darlehen: Sind 10 oder 15 Jahre Zinsbindung sinnvoller?
Eine längere Zinsbindung kauft Planungssicherheit, kann aber mit einem höheren Sollzins beginnen. Der Vergleich muss deshalb mehr zeigen als die heutige Rate: Restschuld, gezahlte Zinsen und das Risiko der Anschlussfinanzierung gehören dazu.
„Wir benötigen 350.000 Euro Darlehen und haben zwei Angebote. Zehn Jahre Zinsbindung kosten 3,45 Prozent Sollzins, 15 Jahre kosten 3,75 Prozent. Die anfängliche Tilgung liegt jeweils bei 2,5 Prozent. Lohnt sich der Aufpreis für die längere Sicherheit?“
- Sophie
Die kurze Antwort
Das 10-Jahres-Angebot mit 3,45 Prozent Sollzins und 2,5 Prozent Anfangstilgung kostet rechnerisch 1.735,42 Euro im Monat. Nach zehn Jahren bleiben rund 245.687 Euro Restschuld. Bis dahin wurden rund 103.937 Euro Zinsen gezahlt.
Das 15-Jahres-Angebot mit 3,75 Prozent Sollzins kostet 1.822,92 Euro monatlich. Nach zehn Jahren liegt seine Restschuld bei rund 244.034 Euro, nach 15 Jahren bei rund 174.180 Euro. Die höhere Rate und der längere feste Zeitraum schaffen mehr Zinssicherheit, machen das Angebot aber nicht automatisch zur besseren Wahl.

Wie unterscheiden sich die beiden Angebote zu Beginn?
Beide Rechnungen verwenden 350.000 Euro Darlehen und 2,5 Prozent anfängliche Tilgung. Beim Annuitätendarlehen ergibt sich die Anfangsrate vereinfacht aus Darlehen mal Sollzins plus Anfangstilgung, geteilt durch zwölf.
| 10 Jahre fest | 15 Jahre fest | |
|---|---|---|
| Sollzins | 3,45 % | 3,75 % |
| Anfangstilgung | 2,50 % | 2,50 % |
| Monatsrate | 1.735,42 € | 1.822,92 € |
| Mehrbelastung pro Monat | - | 87,50 € |
Die längere Bindung kostet in diesem Angebot monatlich 87,50 Euro mehr. Ein Teil davon ist zusätzlicher Zins, ein kleiner Teil führt durch die höhere konstante Rate im Zeitverlauf auch zu etwas mehr Tilgung.
Was ist nach zehn Jahren erreicht?
Beim kürzeren Angebot wurden in 120 Monaten insgesamt 208.250 Euro regulär gezahlt. Davon entfallen rund 103.937 Euro auf Zinsen und 104.313 Euro auf Tilgung. Die offene Restschuld beträgt etwa 245.687 Euro.
Beim 15-Jahres-Angebot wurden in denselben zehn Jahren 218.750 Euro gezahlt. Rund 112.784 Euro davon sind Zinsen, rund 105.966 Euro Tilgung. Die Restschuld beträgt etwa 244.034 Euro. Sophie zahlt bis zu diesem Zeitpunkt also 10.500 Euro mehr, hat aber nur rund 1.653 Euro weniger Restschuld. Der wesentliche Gegenwert ist, dass ihr Zinssatz noch weitere fünf Jahre feststeht.
Wo steht das längere Angebot nach 15 Jahren?
Nach 180 Monatsraten sind insgesamt 328.125 Euro gezahlt. Davon entfallen rund 152.305 Euro auf Zinsen und 175.820 Euro auf Tilgung. Die Restschuld liegt dann bei rund 174.180 Euro.
Für das 10-Jahres-Angebot lässt sich der Stand nach 15 Jahren heute nicht ohne zusätzliche Annahme berechnen. Nach dem zehnten Jahr beginnt eine Anschlussfinanzierung mit einem dann vereinbarten Zins und einer neu gewählten Rate. Genau diese unbekannte Entwicklung ist das Risiko, das Sophie mit der längeren Bindung teilweise vermeidet.
Wie sollte die Anschlussfinanzierung getestet werden?
Ein sinnvoller Stresstest übernimmt die Restschuld des kurzen Angebots und setzt mehrere mögliche Anschlusszinsen ein. Nicht die Vorhersage eines einzelnen Zinssatzes ist das Ziel. Entscheidend ist, ob der Haushalt auch bei einer ungünstigeren Rate stabil bleibt.
Stehen nach zehn Jahren 245.687 Euro offen, würde eine neue Anfangsbelastung aus 5,5 Prozent Zins plus 2,5 Prozent Tilgung rechnerisch rund 1.637,91 Euro pro Monat betragen. Bei 7 Prozent Zins plus 2,5 Prozent Tilgung wären es rund 1.945,02 Euro. Das sind nur Belastungsszenarien, keine Prognosen.
Welche Zinsbindung passt besser zu Sophie?
Wer eine höhere Rate gut tragen kann und Planungssicherheit besonders wichtig findet, kann den Aufpreis einer längeren Zinsbindung bewusst akzeptieren. Wer große Rücklagen, flexible Tilgungsmöglichkeiten oder einen baldigen Verkauf erwartet, bewertet dieselbe Situation möglicherweise anders.
- Effektivzins statt nur Sollzins beider Angebote vergleichen.
- Restschuld zum Ende jeder Zinsbindung berechnen.
- Anschlussrate mit mehreren höheren Zinssätzen testen.
- Sondertilgungsrecht und Tilgungssatzwechsel im Vertrag prüfen.
- Monatliche Eigentümerkosten zusätzlich zur Kreditrate einplanen.
Im Darlehensrechner kann Sophie beide Angebote getrennt eingeben. Die jährliche Tabelle zeigt, wie sich Zinsanteil, Tilgung und Restschuld verändern.